KKH erstattete im Jahr 2016 insgesamt 47 Strafanzeigen wegen Betrugs

6. März 2017

 

In einer Pressemeldung vom 1. März 2017 gibt die KKH Kaufmännische Krankenkasse an, ihr sei im Jahre 2016 durch gefälschte Abrechnungen und andere Betrügereien ein Gesamtschaden von 1,8 Millionen Euro entstanden. Ein Ermittlerteam habe bundesweit insgesamt 810 Fälle ans Licht ge­bracht und in 47 Fällen Strafanzeige erstattet.

 

Der größte Schaden sei der KKH im Apothekenbereich mit knapp 1,2 Millionen Euro entstanden. Eine Apotheke habe etwa Blutzuckerteststreifen in exorbitant hohen Mengen abgerechnet und damit alleine bei der KKH für einen Schaden von fast 75.000 Euro gesorgt. Die zweithöchste Schadens­summe sei mit 215.000 Euro bei ambulanten Pflegediensten zu verzeichnen. Ein Pflege­dienst habe bei­spiels­weise frei erfundene Pflegekurse für Angehörige abgerechnet und so einen Schaden von 56.700 Euro verursacht. Hierauf folgten Sanitätshäuser. Ein Diabetesfachhandel habe etwa Räum­lich­keiten in einer Arztpraxis betrieben und dabei gegen das neue Antikorruptions­gesetz verstoßen.

 

Bei Krankengymnasten bzw. Physiotherapeuten seien mit einer Fallzahl von 116 die meisten Fälle auf­ge­deckt worden, gefolgt von der ambulanten Pflege mit 99 Fällen und außerbudgetären ärzt­lich­en Leistungen mit 90 Fällen.

 

Zum Antikorruptionsgesetz wird in der Meldung ausgeführt, es sei noch zu früh für konkrete Aus­sagen über dessen Wirksamkeit, aber man freue sich darüber, dass man sich dank des Gesetzes jetzt intensiv mit Staatsanwaltschaften und Ärztevertretern über das Thema Korruption austauschen könne. Die KKH habe auf Basis des neuen Gesetzes bereits erste Strafanzeigen gestellt.

 

Zu der Pressemeldung ist anzumerken, das die endgültige Einordnung eines Sachverhaltes als straf­baren Betrug den Strafgerichten obliegt, so dass unklar ist, in wie vielen Fällen tatsächlich Straf­taten vorliegen. Angemessener wäre es daher, über „Ver­dachts­fäl­len“ zu berichten.

 

Die Pressemeldung offenbart dennoch die Relevanz der Themen Abrechnungsbetrug und Kor­rup­tion im Gesundheitswesen, sowie die entsprechende Sensibilisierung der Krankenkassen.

 

 

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